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03.11.2020 | 05:45

Helium – diese Aktien können nicht ohne – Google, Netflix, Royal Helium, Amazon, Desert Mountain Energy

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Bildquelle: pixabay.com

Das Element Helium ist erst seit 1868 bekannt und doch weiß jeder, dass dieses Gas Luftballons steigen lässt und jedem zu einer Mickey Mouse Stimme verhelfen kann.
Doch das sind nur die Anwendungen, die jeder kennt. Viel entscheidender als Geburtstagsballons sind die HighTech-Anwendungen des Edelgases. Helium wird verwendet in Strichcode-Lesegeräten, in Halbleitern, aber auch bei LCD Flüssigkristallanzeigen. Auch jede Klinik mit Magnetresonanztomographen (MRT) kann ohne Helium nicht arbeiten.
Doch warum kaufen Google, Netflix und Amazon sich diesen Rohstoff massenweise ein?

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Stefan Bode


 

Helium – Dauerhaft einsperren fast unmöglich

Helium ist eine wichtige, aber endliche Ressource, die aus der Erde gewonnen und extrahiert werden muss. Dies funktioniert hauptsächlich über Erdgasfelder, die Helium als Nebenprodukt beinhalten. Diese sind aber sehr selten und weltweit verteilt. Die ersten nennenswerten Heliumgewinnungsanlagen wurden 1915 von der US-Armee auf dem Petrolia-Ölfeld in Nordtexas erbaut. Das Hauptproblem beim Speichern von Helium ist die Schwierigkeit der Lagerung. Der Grund dafür ist, dass diese sehr aufwendig und teuer, denn bisher entweicht der Stoff aus jedem Behälter. Der Atomradius des Gases so klein ist, so dass es buchstäblich durch jeden Festkörper mit der Zeit diffundiert und entweichen kann. Daher haben die USA ihre nationale Heliumreserve in Amarillo, Texas unterirdisch gespeichert. Diese Anlage umfasst ca. 1 Milliarde Kubikmeter, dürfte aber in den nächsten 2-3 Jahren aufgebraucht sein. Das Hauptproblem für die Wirtschaft bzw. das spannende für Investoren ist, dass neue größere Heliumvorkommen nicht mehr gefunden werden und die bisher gefundenen Vorkommen sehr weit auseinander liegen. Daher muss an jedem Produktionsstandort von Erdgas mit Helium eine separate und teure Extrahierungsanlage erstellt werden.

Royal Helium – 0,80 CAD Preisziel

Der Nischenanbieter Royal Helium (ISIN: CA78029U2056 WKN: A2PQ6N Symbol: RD31) hat sich auf das Finden neuer Erdgaslagerstätten mit ausbeutbarem Helium-Anteil in Kanada konzentriert. Das Unternehmen gehört bereits jetzt zu einem der größten potentiellen Heliumproduzenten von Kanada, der börsennotiert ist und sich mehr als 400.000 Hektar Land gesichert hat. Unter diesem Land befinden sich Erdgaslagerstätten mit vergleichsweise hohem Heliumanteil von 1 bis 3 Prozent. Diese sollen die Heliumversorgung für Kanada und die USA in den nächsten Jahren sicherstellen. Bereits in Q.1 2021 sollen die ersten Ergebnisse aus den geplanten Bohrungen erfolgen. Sind diese erfolgreich, steht einer Neubewertung der Aktie nichts mehr entgegen, die aktuell nur eine Marktkapitalisierung von 13 Millionen CAD aufweist. Analysten von Cormark Securities sehen die Aktie von Royal Helium auf Sicht von 12 Monaten bei 30 Millionen CAD bzw. 0,80 CAD je Aktie.
Auch wenn sich der Heliumpreis in den letzten 8 Jahren schon mehr als verdreifacht hat, rechnet Royal Helium mit einem konservativen Verkaufspreis von 250 CAD je Mcf. Damit amortisiert sich ein Bohrloch innerhalb von einem Jahr und in der Regel kann das Helium über einen Zeitraum von 10 Jahren ausgebeutet werden. Interessant ist auch, dass aktuell bereits ca. 500 CAD je Mcf Helium bezahlt werden und ein Ende der Preissteigerungen durch starke Nachfrage nicht in Sicht ist. Das dürfte sich bei den späteren Gewinnen von Royal Helium positiv auswirken.

Gazprom – Erdgas und Helium

Das russische Gasunternehmen Gazprom (ISIN: US3682872078 WKN: 903276 Ticker: GAZ) ist und bleibt nicht nur wegen der hohen Dividende interessant. Diese beträgt seit dem wiederholten Aufschaukeln der Nawalny-Vergiftungs-Anschuldigungen und dem damit verbundenen Abverkauf der Aktie auf 3,34 Euro zum 03.11.2020 bereits 8,6% p.a.. Da Gazprom in 2021 stärker in das lukrative Heliumgeschäfteinsteigen will, soll zukünftig das Helium aus den Erdgasfeldern Chayanda und Kovykta extrahiert werden. Zu Beginn 2022 soll dann die Amur-Verarbeitungsanlage in Produktion gehen und zum weiteren Anstieg der Heliumproduktion beitragen. Der Nachteil bei Gazprom ist, dass es sich hierbei nicht um einen reinen Heliumproduzent handelt; dafür bietet die Aktie aber eine sehr attraktive Dividende für das Depot.

Desert Mountain Energy

Das Unternehmen Desert Mountain Energy (WKN: A2JHVK ISIN: CA25043D1078 Ticker: QM01) produziert bereits Helium in Kanada. Die durchgeführten Bohrungen brachten in diesem Jahr teils spektakuläre Ergebnisse mit sich. Statt des üblichen 1-3% Heliumanteils fand das Unternehmen in zwei Bohrungen mehr als 7% Heliumanteil in den Erdgaslagerstätten.
Binnen Jahresfrist Ver-10-fachte sich daraufhin der Aktienkurs und notiert zum 03.11.2020 bei 1,77 CAD je Aktie und weist damit eine Marktkapitalisierung von 85 Millionen CAD aus.

Google, Netflix und Amazon

Doch warum kaufen sich Google, Netflix und Amazon den Rohstoff Helium massenweise ein?
Das Datenvolumina und damit das benötigte Speichervolumina steigt weltweit rasant an. Das Internet of Things, autonomes Fahren und künstliche Intelligenz brauchen riesige Speichersystem. Aber auch Onlineplattformen wie YouTube/Google, Netflix für Filme oder Amazon für Cloudspeicher benötigen immer größere Rechenzentren.
Um diese zu optimieren haben sich Heliumfestplatten als äußerst nützlich erwiesen. Die Festplattenmodelle mit Heliumfüllung können nicht nur mehr Speicherplatz vorhalten, sondern verbrauchen, durch geringere Leitungsverluste, mehr als 35% weniger Strom.
Indirekt reduziert sich der Stromverbrauch aber um mehr als 50%, denn weniger Leitungsverlust heißt auch geringere Reibung durch das leichte Heliumgas. Damit fällt weniger Abwärme an und die energiefressenden Kühlsysteme können geringer dimensioniert werden. Die Nachfrage nach Helium dürfte daher für die nächsten Jahre hoch bleiben.

Fazit

Nur wenige Player tummeln sich auf dem sehr kleinen aber hoch interessanten Heliummarkt. Die vorgestellten Unternehmen Royal Helium wie auch Desert Mountain Energy sind eine spekulative Beimischung für das Portfolio, um den Helium Hype abbilden zu können. Die Gazprom Aktie bietet dagegen mehr "Sicherheit" und eine Dividendenrendite von ca. 8,6 % p.a. an. Dennoch ist der Heliumanteil des Unternehmens zum Deckungsbeitrag zu gering und hier sollten eher der Erdgaspreis sowie die politischen Entscheidungsprozesse der kommenden Wochen bzgl. NorthStream2/Russland weiter angeschaut werden.


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